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Le Mystère du Munich von Rudolf Herz | Wie geht es weiter?

© Reinhard Matz © Reinhard Matz
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14. August 2012

Zum Andenken an den Aufenthalt Marcel Duchamps in München 1912 steht auf der Südwiese der Alten Pinakothek für drei Monate eine Betonskulptur mit den Abmessungen 17m x 7m x 3,5m. Im September wird sie wieder abgebaut. Ist das in Ordnung, oder sollte die Skulptur im Stadtraum bestehen bleiben?

Die von Rudolf Herz entworfene Skulptur zitiert den hochkant gestellten Grundriss der Wohnung, in der Duchamp beim Ingenieur Gres und seiner schneidernden Gattin ehemals zur Untermiete wohnte. Zimmer oben links war an Marcel Duchamp vermietet, hier hat er gearbeitet und gelebt, von hier aus die Münchner Pinakotheken besucht sowie das Deutsche Museum. Einen Sommer hat er in München verbracht auf Anregung seines Künstlerfreundes Max Bergmann aus Heimhausen, bevor er wieder nach Paris zurückging, wo dann seine ersten ready-mades entstanden, von denen der entscheidende Paradigmenwechsel in der bildenden Kunst im 20. Jahrhundert ausgeht.

Die Wohnung, in der Duchamp bei seinem Münchenaufenthalt wohnte, wird dabei für Herz zur „Wiege der konzeptuellen Kunst.“ Die Setzung hier auf der Südwiese der Alten Pinakothek ist ein Glücksfall und war die Wunschposition von Künstler Rudof Herz und Peter Ottmann: Hier steht sie unweit der Originalwohnung in der Barerstrasse 65, im Umfeld der Museen, die Duchamp bei seinem Aufenthalt besuchte. Die Rekonstruktion der Wohnung steht im spannungsvollen Dialog zur Döllgastschen Rekonstruktion der Alten Pinakothek, deren schlichte Trümmerziegel und Betondecken im Wechselspiel mit dem rohen Beton der von allem Zierrat bereiten Wohnung wieder bewusst werden. Sie verknüpft durch die Querstellung die Alte Pinakothek mit dem Neubau von Filmhochschule und ägyptischem Museum.

Die Skulptur wurde für die Sommermonate Juni bis September in das Programm des Architekturmuseums aufgenommen, Professor Schrenk als Generaldirektor der bayerischen Staatsgemäldesammlungen hat die Erlaubnis zur Platzierung der Skulptur gegeben. Armin Zweite hat das Projekt gefördert, die Ernst von Siemens Kulturstiftung die Erstellung des Buchs ermöglicht. Dass die Skulptur realisiert werden konnte und auch pünktlich zum Jubiläum des Duchamps Aufenthaltes hier steht, ist allein der Idee, Ausdauer, Arbeit und Finanzierung durch den Künstler Rudolf Herz und den Architekten Peter Ottmann zu verdanken.

Rudolf Herz:

Konzeptkünstler, Medienforscher, Fotograf, Bildhauer; ein oft interventionistisches Vorgehen prägt seine Arbeiten, Denkmalsentwürfe, Projekte im Öffentlichen Raum und an öffentlichen Gebäuden sowie bildgeschichtliche Ausstellungen. Seine Ausbildung als Kunsthistoriker wird offenkundig in der geradezu kriminalistischen Spurensuche, mit der vorgegangen ist, um den Aufenthalt Duchamps in München im Sommer1912 in ein neues Licht zu rücken.

Herz hat systematisch in Nachlässen und Archiven geforscht, Nachkommen befragt und sich mit Duchamp-Spezialisten ausgetauscht. Das von Rudolf Herz und Armin Zweite organisierte Duchamp-Symposium, das im Juni in der Pinakothek mit der Eröffnung der Ausstellung im Kunstbau und dieser Skulptur stattfand, hat diese die Hintergründe ausführlich beleuchtet.

Peter Ottmann:

Architekt in München, dessen Bauten sich nicht nur durch eine klare Formensprache und hohe architektonische Qualität auszeichnen, sondern immer auch eine starke Verknüpfung zu Kunst suchen, so beispielsweise bei der Münchner Fachhochschule Infanteriestrasse, der Markthalle am Hasenbergl oder der Rahmenplanung für das neue Balan. Peter Ottmann hat dieses Vorhaben nicht nur mit baulich realisiert, sondern auch mit einer bis jetzt andauernden Begeisterung und der Finanzierung.

Durch die besessene Ausdauer und Zusammenarbeit von Herz und Ottmann hat die Skulptur hier für drei Monate einen Aufstellungsort bekommen, und nun tragen Sie die Verantwortung für seine Zukunft (zu der allerdings noch keine konkreten Optionen  bestehen). Neben der weiteren Ausstellung als Skulptur besteht die Planung einer Reconversion der Skulptur in ein architektonisches Projekt für ein temporäres Ausstellungsgebäude. Diese Ideen wurden am 31. Juli in einer öffentlichen Diskussion besprochen.

Wir möchten dieses Thema an dieser Stelle weiter verfolgen und Ihre Meinung hierzu erfragen, um über die Zukunft der Skulptur ggf. gemeinsam abzustimmen. Was denken Sie:


- Ist dieses Denkmal eine Chance für die Kunststadt München?
- Definiert diese Skulputur den „Denkmal"-Gedanken neu?
- Soll Duchamps Wohnung als eine Erweiterung des Skulpturenparks im Kunstareal, bestehen bleiben?
- Welcher andere Ort käme für eine Aufstellung in Frage?
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