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ArchitektINNen

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17. Oktober 2017

Frau Hinderink, im Rahmen der Ausstellung Frau Architekt haben Sie das Symposium Jeanne D'ARCH kuratiert, das am 2. und 3. November im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt stattfindet. Was ist Ihr Anliegen?

Es ist keine feministische Veranstaltung, die spalten will und sich gegen Männer richtet. Die historische Jeanne D'Arc, auf die der Titel des Symposiums anspielt, hat furchtlos und beharrlich Seite an Seite mit Männern für eine Sache gekämpft. Mir ging es darum, fünf wichtige Aspekte des Berufes mit jeweils zwei Positionen zu besetzen. Und das bis auf die Key Note von Eva Kail, die bei der Stadt Wien der Leitstelle Alltags- und Frauengerechtes Planen und Bauen vorsteht, nicht spezifisch für Frauen, sondern aus ihrer Perspektive. Zum Stichpunkt Material sind zum Beispiel Anna Heringer, die u.a. in Bangladesh bevorzugt Lehm beim Bauen verwendet, und Claudia Pasquero eingeladen, die mit ihrem Büro ecoLogic Studio mit Algen experimentiert. Fabienne Hoelzel, Mitbegründerin von FABOULOS URBAN, und Susanne Hofmann, die Baupiloten Berlin, stellen ihre Ideen zur Partizipation in Lagos und Deutschland vor. Deborah Saunt und Verena von Beckerath sprechen über innovative Ansätze bei der Ausbildung von Architekten und Architektinnen. Kristin Feireiss und Anna Ramos berichten über die Bedeutung von Ausstellungen und Preisen.

Nach welchen Kriterien haben Sie die Vortragenden ausgewählt?

Für mich zählen weder Stars noch große Namen, die bei Architektinnen ohnehin seltener sind. Sondern inspirierende Ansätze, die in einer Paarung gut zusammen passen. Jede Frau sollte für eine bestimmte Haltung und ermutigende Lösungen stehen, die auch gegen Widerstände ihren Weg geht. Gesucht und gefunden habe ich entsprechende Frauen zum Teil in meinem eigenen Netzwerk. Viele kannte ich bereits persönlich. Andere habe ich recherchiert, was nicht immer einfach war. Männer sind viel präsenter in den Medien und den meisten Gremien. Woran es momentan auch noch mangelt, sind weibliche Vorbilder. Deshalb sind „Role Models" ein Programmpunkt, der mit Odile Decq und Sadie Morgan besetzt ist. Im Studium beträgt der Frauenanteil über 50 Prozent, in den Architekturbüros nimmt er deutlich ab. Führende oder gar Machtpositionen sind selten mit Frauen besetzt. In der Öffentlichkeit ist eigentlich nur Zaha Hadid bekannt, die diesen Aufstieg geschafft hat.

Woran liegt das?

Unser Beruf ist sehr zeitintensiv. Familie und Karriere lassen sich nur schwer unter einen Hut bringen. Als Mutter von drei Kindern weiß ich das aus eigener Erfahrung. Auch deshalb habe ich mich gegen die Fortführung meines Büros entschieden und versuche, über die Arbeit als Kuratorin und Journalistin einen Beitrag zu leisten. Das ist die Radgröße, die ich in meiner Situation drehen kann. Mein Fokus liegt dabei auf Architektur, die nicht zwangsläufig in die Kategorie „schön" passt, sondern deren Besonderheit im Konzept und in ihrer Geschichte liegt. Es gibt so viel, was gesellschaftlich nachhaltige Architektur bewirken kann.

Haben Architektinnen Ihrer Ansicht nach spezifische Qualitäten?

Es klingt vielleicht ein bisschen nach Klischee, aber ich glaube, dass sie besser kommunizieren. Gerade bei Themen wie Partizipation könnte das von Vorteil sein. Ein wichtiges Anliegen des Symposiums ist der intensive Austausch und das Sichtbarmachen exzellenter Arbeit, die sich nicht allein aus Fotografien in Architekturzeitschriften erschließt.

Noch gibt es an der beruflichen Situation von Architektinnen einiges zu verbessern. Wie wird die Lage - Ihrer Meinung nach - in zehn Jahren sein?

Ich glaube, dass die Gleichstellung von Männern und Frauen weniger im Vordergrund stehen wird. Stattdessen werden wir uns geschlechtsübergreifend die Frage stellen müssen, wohin sich der Beruf entwickelt, welche Relevanz er weiterhin besitzt. Für Frauen gilt es in diesem Prozess nicht, sich zu assimilieren und wie Männer zu werden. Sie sollten sich mit ihren Fähigkeiten und ihrer Expertise einbringen.

 

Weitere Informationen zum Symposium "Jeanne D'ARCH" (Eintritt inklusive Catering 50 €, für Studierende 25 €) unter www.dam-online.de. 

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