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Geschichte der Rekonstruktion - Konstruktion der Geschichte


Ruine und Rekonstruktion der Frauenkirche
Dresden
© SLUB DRESDEN / DEUTSCHE FOTOTHEK,
ROLAND HANDRICK

Um das Thema Rekonstruktion wird seit Jahren eine heftige Debatte geführt. Rekonstruiert wurde jedoch seit der Antike, denn zu allen Zeiten wurden Bauten zerstört und bei Bedarf wieder errichtet. Die Gründe für einen Wiederaufbau sind dabei sehr verschieden und das Verständnis sowie die Definition von »Wiederherstellung« wechselten. Ein Blick in die Geschichte und eine differenzierte Betrachtung der Begriffe könnten helfen, die Probleme und Argumente in einen größeren historischen Zusammenhang einzuordnen und so die gegenwärtige Diskussion etwas zu »ent-emotionalisieren«.

Bauten spielen als exponierte, jedem direkt vor Augen stehende Zeugnisse der Vergangenheit von jeher eine besondere Rolle zur Ausbildung und Prägung eines »kulturellen Gedächtnisses« (Jan Assmann). Mit einer Rekonstruktion wird im bewussten Rückgriff der verlorene »Erinnerungsort« als wichtiger Träger unterschiedlichster Bedeutungen wiederhergestellt. Viele Rekonstruktionen waren nie umstritten - beispielsweise der Wiederaufbau des 1902 eingestürzten Campanile am Markusplatz in Venedig - andere sind in die jeweilige Geschichte eines Gebäudes oder einer Stadt problemlos integriert worden.

In der Ausstellung werden anhand von 85 repräsentativen Fallbeispielen sowie weiteren 300 Rekonstruktionen - von Japan bis Kanada und von der griechischen Antike bis heute - verschiedene Beweggründe für die Wiedergewinnung verlorener Bauten präsentiert und analysiert. Der Bogen spannt sich von Rekonstruktionen aus Gründen einer religiösen Kontinuität oder aus nationalen Überlegungen bis hin zu Wiederaufbauten zur Erfüllung ästhetischer oder kommerzieller Wünsche. Die zeichnerischen Rekonstruktionen antiker Bauten von der Renaissance bis zur Gegenwart werden ebenso behandelt wie der von unseren westlichen Gewohnheiten völlig verschiedene Umgang mit historischer Bausubstanz im mittleren und fernen Osten. Modelle, Gemälde, Pläne, Fotos und Animationen geben einen umfassenden Einblick in ein kontroverses Thema.Zur Ausstellung erscheint eine Publikation mit 16 Aufsätzen und einem umfangreichen Katalogteil von renommierten Wissenschaftlern. Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl für Denkmalpflege der ETH Zürich.

Ausstellungsdauer Donnerstag 22. Juli bis Sonntag 31. Oktober
Wo Architekturmuseum der TU München in der Pinakothek der Moderne

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