| Volles Haus der Kunst |
Mit einem ganztägigen Programm feierte Chris Dercon am Sonntag die Ausstellungseröffnung des chinesischen Künstlers Ai Weiwei. Die meisten werden den Namen im Zusammenhang mit dem Pekinger "Vogelnest" von Herzog & de Meuron kennen. Er beriet das Schweizer Architektenduo bei der Formfindung.
Das erstaunliche an Ai Weiwei ist, dass er nie Architektur studiert hat und dennoch inzwischen international als Architektur-Kurator gefragt ist. Auf Dercons Frage "was ihn denn so erfolgreich mache", antwortete er, dass er "durch seinen Sonderstatus nicht im Wettbewerb mit den internationalen Stars der Szene stünde". Welch beneidenswerter Status...
Das Haus der Kunst war gestern im Ausnahmezustand. Man war gut vorbereitet auf den Ansturm: Das Käfer-Café in der Goldenen Bar war mit zusätzlichen Essens- (chinese food) und Getränke-Verkaufsständen sowie einer zusätzlichen Kaffee-Bar ausgerüstet worden und man hatte sogar zusätzliche Toiletten eingebaut! Trotzdem wurde es knapp... Die Kunstinteressierten kamen in so unglaublichen Mengen, dass die Sitzplätze bereits gegen 11.30 besetzt waren, der Rest stand und drängelte. Die Stimmung war aufgeregt und euphorisch. Das Programm begann um 12.00 Uhr mit der Begrüßung durch Chris Dercon. Anschließend gab es den Artist Talk mit dem Künstler, der glücklicherweise von seiner Kopfoperation genesen war, und dem Sammler Uli Sigg.
Mit Unterstützung der Südhausbau waren die, im Rahmen des Projektes "Ordos 100" von Ai Weiwei ausgewählten Architekten, Minsuk Cho (Korea), Milica Topalovic (Serbien), Srdjan Jovanovic Weiss (Serbien), Eyal Weizman (Israel) und Ines Weizman (Deutschland) zur Vorstellung ihrer Projekte eingeladen worden.
Neben der spektakulären Fassadengestaltung für die Ausstellung (vorn zur Prinzregentenstraße hunderte bunter Rucksäcke, zum Englischen Garten chinesische Vasen zwischen den Säulen), ist die Ausstellung umwerfend. Mitnichten nur durch die Größe der Arbeiten, sondern weil Ai Weiwei eine einzigartige Mischung aus Subtilität, politischer Kritik und feinstem Humor in seinen Arbeiten vereint. Allein der für diese Ausstellung angefertigte Teppich, der den Originalboden naturgetreu imitiert, ist so brilliant, dass einem fast die Luft weg bleibt.
Unbedingt anschauen!
Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier
Text und Photos Regine Geibel

Diskussion
Kommentar abgeben