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Wir waren für Sie bei der Debatte Isarlust – die Wiederentdeckung der innerstädtischen Isarufer

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Die Expertenrunde


Zahlreiche Interessierte nahmen an der Diskussion teil

„Wir wollen nichts von Wasser wissen. Oh flösse Bier im Isarbett." Mit diesen sarkastischen Worten von Karl Valentin erhielten rund 160 Interessierte, Anwohner und Schüler vergangenen Donnerstag im Café Bernstein auf der Museumsinsel von Literaturwissenschaftler Dr. Dirk Heißerer eine Einführung in die literarische Auseinandersetzung mit der Isar. Gemeinsam mit den urbanauten lud das Münchner Forum ein, um mit Experten aus der Stadt, Architektur aber auch Medien über die Zukunft der Isarpromenade, moderiert von Sabine Reeh zu diskutieren, aber auch offene Fragen und die allgemeine Problematik zu klären.

Sicherlich, einerseits lässt sich die Isar dulden, doch es gibt auch romantisch-poetische Stilisierungen des Flußes, die Dr. Heißerer ebenfalls zitierte: „Es liegt vor uns, grün und in weißem Brausen. Er ist im Grune nichts anderes als ein großer Gießbach aus den Bergen. Aber sein immerwährendes Geräusch, das mehr oder weniger gedämpft überall in der Gegend zu hören ist, hier aber frei waltend das Ohr erfüllt, kann wohl Ersatz bieten für den heiligen Anprall des Meeres." (Thomas Mann)

Bevor sich die Experten zur Diskussion versammelten, erhielt das Publikum durch urbanauten-Begründer Benjamin David eine bildliche Zeitreise der Geschichte der Isar: Die ehemalige Flößerstadt München errichtete nach zahlreichen Hochwassern hohe Mauern an den Ufern der Isar, um diese im Zaum zu halten und schuf somit neue Werte: Statt der heutigen stark befahrenen Straßen fand man zahlreiche Boulevards und Cafés an den Ufern; eine heute nicht mehr erfahrbare Lebensqualität.

„Die Isar müsste mal zum Friseur", so Hermann Grub, Architekt, Stadtplaner und Ufergestalter mit Leidenschaft. Es gäbe Teile, die komplett zugewachsen seien und somit den Blick auf die Isar versperren würden. Seiner Meinung nach müsse man die Isar dem Besucher zugänglicher machen. Unzählige „Sicherheitsmaßnahmen" machen sie kaum erlebbar.

„Die Isar ist bedeutend für die Stadt", so Wolfgang Czisch vom Münchner Forum und Initiator der Isarrenaturierung. Durchaus seien einige Teile bearbeitungswürdig, aber den innerstädtischen Bereich solle man als räumliche Gesamtkomposition ansehen.

Udo Wachtveitl, Schauspieler, Regisseur und Architekturkolumnist, wohnhaft in der Au, nutzt regelmäßig das Umfeld der Isar und war auch schon Gast am stark diskutierten Kulturstrand. Dass sich Anwohner regelmäßig über den Strand beschweren, könne er nicht verstehen. Dennoch wüschte er sich keine zubetonierte Isar, sondern auch Orte, die zum Entdecken auffordern.

Benjamin David sieht den öffentlichen Raum als einen Ort der Begegnung. Somit ist der Kulturstrand ein Ort an einem sonst ungenutzten Raum. Da ist Cornelius Mager, Planungsreferent und Leiter der Lokalbaukommission ganz anderer Meinung: Er ist generell gegen kommerzielle Eingriffe im öffentlichen Raum. Dazu gehöre auch der Kulturstrand.

Anstatt ein Kulturangebot zu schaffen, handele es sich hierbei um eine kommerzielle Veranstaltung. „Sie schaffen nicht Attraktivität, Herr David, Sie nehmen sich die Attraktivität, wo sie schon vorhanden ist." so die Vorwürfe von Herrn Mager an den urbanauten-Chef. Eine Meinung, die das Publikum auf jeden Fall nicht teilte, und dies durch gesteigerte Unruhe im Saal durchaus kund tat.

„Das fehlt noch: Die Latte-Macchiatisierung der Isar", so Mager. Die Isar sei ein Naturraum, der durch die Stadt als Umweltzone fließt und das solle auch so bleiben.

Hermann Grub forderte mehr Experten für weitere Vorgehen. Qualitätsorientierte Landschaftsarchitekten sollten sich mit der Thematik auseinandersetzen und Lösungsvorschläge erarbeiten. Udo Wachtveitl hingegen sah die Meinungen als zu extrem an. Man müsse einen Mittelweg finden. An der Isar sollte sowohl ein Kulturangebot als auch Wildwuchs zugelassen werden. Der Kulturstrand als kultureller Wildwuchs? Man solle die Möglichkeiten nutzen, ohne den Isarraum zu zerstören.

Es ist ein kontroverses Thema: Und auch das Publikum tendierte mit seinen Reaktionen in verschiedene Richtungen. Und bestimmt werden noch zahlreiche Diskussionen folgen und noch mehr Ideen zu oder gegen eine Umgestaltung aufkommen. Es war aber auch nicht zu erwarten, an diesem einen Abend die optimale Lösung zu finden, die allen Bedürfnissen und Vorstellungen gerecht werden könnte. Sicherlich wünscht sich niemand von uns eine zubetonierte Uferpromenade, auf der sich, wie in der Leopoldstraße, die Cafès aneinanderschmiegen und die Natur völlig verdrängen. Doch würde sich der ein oder andere wünschen, an einem Platz an der Isar gemeinsam mit seinen Freunden in der Sonne sitzen zu können - ohne Gefahr zu laufen, sich auf Glasscherben und sonstige Hinterlassenschaften von wenig umweltorientierten Isarbesuchern setzen zu müssen - und dem immerwährenden Brausen zu lauschen, das sicherlich Ersatz zum heiligen Anprall des Meeres bietet. Und dabei eben doch seine geliebte Latte Macchiato trinken zu können...

Maja Mijatovic

Fotos: Matthias Singer - die urbanauten

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