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Zukunft ohne Architektur...?

Der Bericht des ZukunftsratsDer Bericht des Zukunftsrats

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April 2011 | Vor dem Hintergrund des unlängst vorgelegten Berichts „Zukunftsfähige Gesellschaft – Bayern in der fortschreitenden Internationalisierung“ des Zukunftsrats der Bayerischen Staatsregierung lud der Landesverband Bayern des BDA zu einem Pressegespräch in die Geschäftsstelle. Ein Rückblick von Jochen Paul

Zwischen dem Selbstverständnis des Berufsstands und seiner Wahrnehmung in der Öffentlichkeit klafft eine Lücke: Der Zukunftsbericht umfasst zwar von „Mentalitätswandel und Strukturreformen“ über „Metropolregionen und ländlicher Raum“ bis zu „Internationalisierung von Wissenschaft und Hochschulen“ ein ganzes Bündel von Themenbereichen, die sich mit den notwendigen Voraussetzungen für ein zukunftsfähiges Bayern auseinander setzen, die Architektur kommt dabei jedoch nur marginal vor: Auf Seite 24 heißt es „Interkulturelle Projekte der gemeinsamen Gestaltung von Lebenswelten (soziale Projekte, Architektur, Freizeitgestaltung, Feste) schaffen Räume für Kreativität, in denen neue Formen sozialer Kommunikation ermöglicht werden.“

Vor diesem Hintergrund plädiert der BDA Bund Deutscher Architekten dafür, die Themen um den Aspekt der Gestaltung der baulichen Umwelt und deren Einfluss auf die Gesellschaft und deren Wohlbefinden ergänzen: Architektur ist allgegenwärtig. Sie entscheidet darüber, ob wir uns in einer Wohnung, einem Gebäude oder in einer Stadt wohl, sicher und zu Hause fühlen. Um Lösungen für die Zukunft zu finden, bedarf es jedoch einer Gesamtbetrachtung, bei der Architektur und Stadtplanung nicht fehlen dürfen – ohne die Berücksichtigung ihrer Anliegen und Lösungsansätze ist eine gesamtheitliche Reflexion nicht möglich.

Eine der zentralen Herausforderungen, die der Bericht beschreibt, ist die fortschreitende Urbanisierung. Die entscheidende Frage dabei ist, wie regionale Identitäten im globalen Wettbewerb gestärkt werden können – sie lässt sich sicher nicht beantworten, ohne dabei über regionale Baukultur zu sprechen: Ein sensibler Umgang mit ihr fördert nicht nur das Entstehen von individuellen Lösungen für die unterschiedlichsten Gegebenheiten und Raumsituationen, sondern ist darüber hinaus von entscheidender Bedeutung für den Fortbestand und die Stärkung regionaler Identität(en).

Ein weiteres Anliegen des Zukunftsrats betrifft das Thema der Nachhaltigkeit und damit die umfangreichen Veränderungen der Netze und Versorgungsstrukturen hin zu einem steigenden Einsatz erneuerbarer Energien. Hierbei kommt dem klimagerechten und umweltschonenden Bauen eine Schlüsselposition zu, die sowohl Mobilität und Energieversorgung, wie auch Siedlungsstruktur, Gebäudekubatur und die Auswahl der eingesetzten Baustoffe betrifft, um einen schonenden Umgang mit unserer Umwelt und unseren Ressourcen zu finden. Auf das Baugeschehen bezogen beginnt der verantwortungsvolle Umgang mit den Ressourcen bereits vor der Planung – bei der Ausweisung von Bauland: Konzentrierte Bodenverwertung an Entwicklungs-Trassen und Nachverdichtung in bestehenden Siedlungsgebieten sind wichtige Teilaspekte einer ressourcenschonenden Planung.

Hinsichtlich des demografischen Wandels thematisiert der Zukunftsrat insbesondere zwei Entwicklungen: „Zum einen hat sich die weltweite Geburtenrate in den vergangenen 35 Jahren nahezu halbiert, zum anderen wird ein Anstieg der durchschnittlichen Lebenserwartung weltweit von 46,6 Jahren (1950) auf 72 Jahre im Jahr 2025 prognostiziert.“ Verschärft wird diese Entwicklung durch die Abwanderung gerade junger Leute aus kleineren Kommunen in die Städte. Dies führt in etlichen Gemeinden zu einem eklatanten demografischen Wandel. Diesem Trend könnte auf kommunaler Ebene jedoch durch gut gestaltete Orte und Bauten, die ebenso wie natürliche, landschaftliche Qualitäten ein hohes Bindungspotential bergen, entgegengewirkt werden. Jenseits dessen sind Vorhersagbarkeit und Planbarkeit des künftigen gesellschaftlichen Fortschritts jedoch schwierig geworden, weshalb Architektur und Stadtplanung der Offenheit und Unbestimmtheit kommender gesellschaftlicher Strukturen Rechnung tragen und an zukunftsorientierten Strukturen und Lösungen arbeiten müssen.

Dazu aber leisten neben der Qualität der Ausbildung von Architekten und Stadtplanern auch die Einrichtung von Gestaltungsbeiräten in Städten und Gemeinden und das Wettbewerbswesen einen wichtigen Beitrag. Höchste Zeit also, dass der Berufsstand im Zukunftsrat prominenter als mit einer Fußnote vertreten ist.

Jochen Paul
Jochen Paul

Ein Rückblick von

Jochen Paul

* 1964 in Memmingen, studierte Romanistik, Psychologie und Kultur- und Medienmanagement. Bis Ende 1999 Redakteur bei der Bauwelt, lebt er seitdem in München. 2011-2012 Redakteur bei muenchenarchitektur.com, aktuell Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für E2A Eckert Eckert Architekten in Zürich. Er schreibt über Architektur, Ausstellungen und Design für verschiedene Fachzeitschriften und –magazine.

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