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Das Jüdische Zentrum am Jakobsplatz

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Platzgestaltung

office regina poly

Das Esemble

Mit dem Jüdischen Zentrum am Jakobsplatz wird der Fülle und dem Reichtum jüdischen Lebens, die Nazi-Deutschland zerstört hatte, wieder der gebührende Raum gegeben, kehrt die Synagoge aus einer Hinterhofsituation in die Mitte der Stadtgemeinschaft zurück. Der Wettbewerbsentwurf des Büros Wandel Hoefer Lorch stellte die Idee einer selbstverständlichen Verwobenheit des Jüdischen Zentrums mit der Stadtstruktur über den öffentlichen Raum in den Mittelpunkt. Seine Öffentlichkeit und Offenheit wird erlebbar in einer Folge von Plätzen, Wegen und Passagen zwischen den Gebäuden und ihrer Nachbarschaft.

Synagoge, Museum und Gemeindehaus sind als Ensemble ausbalanciert, in ihrer jeweiligen Eigenständigkeit formuliert und über die Zwischenräume hinweg in Beziehung zueinander gesetzt. Die Synagoge steht als wichtigstes Bauwerk nach Osten ausgerichtet frei im Platz mit geschlossenem Sockel und einer sich darüber erhebenden filigranen Stahlkonstruktion. Das Jüdische Museum der Landeshauptstadt als kleinster Kubus vermittelt zwischen Synagoge und Gemeindezentrum und spiegelt Offenheit und Geschlossenheit entsprechend den eigenen Bedürfnissen: über einem offenen, mit der Platzflächen zum Kommunikationsraum verschmelzenden Foyer liegen die geschlossenen, Konzentration ermöglichenden Ausstellungsräume. Die Volumina des Gemeindehauses werden nach dem Vorbild der Struktur der Amsterdamer Synagogen aus dem 17. Jahrhundert in Einzelkuben zerlegt und in die Maßstäblichkeit der Nachbarschaft gebracht

Die Grundidee des Wettbewerbsentwurfes konnte in 5 Jahren der Entwicklung immer wieder ihre Tragfähigkeit erweisen. Trotz zum Teil erheblicher Weiterentwicklungen des Raumprogramms ist die plastische Komposition der Baumassen und die Offenheit der bis unmittelbar an die Gebäude reichenden Platzfolgen unverändert erhalten geblieben. Fußgängern, Radfahrern und Flaneuren erschließen sich vom Sebastiansplatz bis zum Unteranger, von der Corneliusstraße bis zum neuen St. Jakobsplatz vielfältige neue Stadträume.

Die Natursteinfassaden der Baukörper sind durch die Materialität des Travertin in unterschiedlicher Oberflächenstruktur differenziert; sie machen bis in die Detailgestaltung das übergreifende Prinzip von Kohärenz und Autonomie sichtbar: unbehandelte, archaische Krustenplatten sind dem Synagogensockel vorbehalten und geben ihm ein plastisches Relief, die geschliffenen Platten der Museumsfassade unterstützen die Präzision des Kubus, gestockte und gesägte Platten in unterschiedlicher Rauhigkeit reflektieren Licht und Schatten auf den Fassaden rund um Innenhöfe und Dachgärten des
Gemeindehauses.

Die Synagoge

Die Synagoge steht als wichtigstes Bauwerk nach Osten ausgerichtet frei im Platz mit geschlossenem Sockel und einer sich darüber erhebenden filigranen Stahlkonstruktion. Während der Sockel metaphorisch an den Tempel Salomons erinnert und symbolisch für das Dauerhafte stehend als schützende Hülle den
Gebetsraum umgibt, bezieht sich die mehrschichtig umhüllte Laterne auf das fragile, portative Stiftszelt und löst die Konstruktion in der Transzendenz des Lichtes auf.

Das Zelt der Synagoge entsteht aus der Überlagerung und dem konstruktiven Zusammenwirken von 3 Ebenen:
1. Außen eine optisch fragile Hülle: das textil wirkende Bronzegewebe
2. Innen eine Tragstruktur, die die Geometrie des Davidsterns memoriert: die filigrane, auf Dreiecksstrukturen basierende Stahlkonstruktion
3. Dazwischen ein Filter zwischen innerer und äußerer Geometrie: die Glasebene, die mit Ihrer Ordnung
zwischen kleinteiliger Tiefenstruktur und flächiger Hülle vermittelt

Die Synagoge wird über ein westlich vorgelagertes, an hohen Feiertagen zuschaltbares Foyer erschlossen.
Im Innenraum bilden Zedernholz und Stein aus Israel die bergende Hülle, die den Gebetsraum der Gemeinde umfaßt. Der Innenraum wird durch den zentral angeordneten Almemor als räumliche und geistige Mitte und den am östlichen Ende der Longitudinalachse gelegenen Aron Hakodesch bestimmt. An den Längswänden steigen die Frauenplätze hinter einer Mechisa empor. Dies schafft sowohl eine deutlich ablesbare Trennung als auch eine großzügige räumliche Einbeziehung in den Gottesdienst. Die Bänke der Männer sind in traditioneller Anordnung nach Osten ausgerichtet auf das große Tor in der Ostwand, das die Thematik des Eingangsportals spiegelt und schützend die lichtdurchflutete Nische birgt, in der ein Schrein das kostbarste Gut, die Thora-Rollen bewahrt.

Segenssprüche und Psalmen, die den Wänden eingeschrieben sind, bilden Schmuck und umfassendes Band für die versammelte Gemeinde. Eine Treppe im Foyer führt ins Untergeschoss mit Tagessynagoge, Ritualbad, Technikräumen und WC´s. Ein unterirdisches Bauwerk schafft die Verbindung zwischen Gemeindezentrum und Synagoge für Besuchergruppen und Gottesdienstbesucher während der Wochentage - der Gang der Erinnerung.

www.juedisches-museum-muenchen.de
  • Standort

    St.-Jakobs-Platz 16
    80331 München
    Kartenansicht

  • Bauherr

    Landeshauptstadt München, Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern

  • Baubeginn

    2003

  • Fertigstellung

    2007

  • Baukosten

    57 Millionen Euro

  • Baumaßnahme

    Neubau

  • Bauweise

    Stahlbeton, Stahl, Massivbau

  • Kennzahlen

    Kubatur Synagoge: 8.920m³
    UG Synagoge: 580m²
    EG Synagoge: 620m²
    Kubatur Museum: 12.660m³
    EG Foyer Museum 300m²
    1.-2. OG Ausstellungsfläche Museum 1.OG 600m²
    UG Ausstellungsfläche Museum 200m²

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